Gipsrecycling gewinnt in Deutschland zunehmend an Bedeutung und erzielt vollen Einsatz in der verarbeitenden Industrie, reicht aber strukturell nicht aus, um die durch den Kohleausstieg entstehende Rohstofflücke zu schließen. Wie der Bundesverband der Gipsindustrie betont, bricht der bislang als Hauptsäule genutzte REA-Gips aus Kohlekraftwerken massiv ein – bereits 2024 wurde der für 2030 prognostizierte Tiefststand von 2,9 Mio. Tonnen erreicht. Das derzeitige Recyclingpotenzial von schätzungsweise 300.000 bis 400.000 Tonnen stoße zudem an natürliche Grenzen, da der Gebäuderückbau dem Neubau stark hinterherhinke und gipsintensive Baustoffe erst seit den 1980er-Jahren in großem Stil verbaut wurden. Um die Versorgungssicherheit der Bauwirtschaft zu sichern, bleibt Naturgips daher auf absehbare Zeit unverzichtbar.
Damit das Sekundärrohstoff-Potenzial künftig dennoch maximal ausgeschöpft werden kann, fordert die Branche nachdrücklich ein Nachschärfen der politischen Rahmenbedingungen. Geschäftsführer Holger Ortleb plädiert für klare gesetzliche Leitplanken, darunter ein Deponieverbot für recyclingfähigen Gips nach österreichischem Vorbild, strengere Vorgaben zur Getrenntsammlung auf Baustellen sowie rechtssichere Abfallende-Verordnungen. Solange recyclingfähiges Material vermischt oder auf Deponien entsorgt werde, bleibe die Kreislaufwirtschaft künstlich limitiert – je sauberer der Input aus dem Gebäuderückbau gelangt, desto effizienter lasse sich die Rohstoffbasis sichern.